Kommentar

Rhein – Sieg Rundschau 9. 9. 2006

Der Atem der Landschaft und der Klang der Alphörner

Christl Raggl und Josef Reinberger in der Galerie Sattelgut

Das Thema „Draußen“ auf ganz unterschiedliche Weise

Neunkirchen – Seelscheid.

Mit dem Klang zweier Alphörner schufen Freunde von Christl Raggl und Josef Reinberger schon im Vorfeld der Ausstellung „Draußen“ alpenländische Stimmung in der Galerie Sattelgut. Doch bieder rustikal ist es keineswegs, was die beiden österreichischen Kunstschaffenden noch bis zum 8. Oktober in der Pinnerstraße 10 A präsentieren. Das Thema Landschaft gehen die beiden Autodidakten auf ganz unterschiedliche Weise an, was dieser Ausstellung den Reiz von Frische verleiht.

Auf die Kommunikation zwischen Maler und Objekt baut der 1944 geborene Josef Reinberger, der dem Wesen seines Motivs unter der Oberfläche des Sichtbaren nachspürt. Gegenständliche Kohleskizzen sind die Grundlagen des durch zahlreiche Kunstseminare weiter gebildeten Malers, die er dann großteils in Grundformen auflöst, wie bei etlichen flammenden Himmelsdarstellungen zu sehen. Je einfacher das Motiv, des mehr könne er sich mit Farben austoben, meinte dazu Reinberger. Deutlich zeigt sich das auch bei den hoch impressionistischen Landschaftsdarstellungen der Reihe „Der Atem des Bergischen Landes“, die durch die Reduktion auf wenige Formen und lockerem Farbenspiel die flirrende Illusion von Licht durchfluteter Landschaften vermittelt.


Lübecker Nachrichten 10. 10. 2001

Der Maler des Meeres

Josef Reinberger stellt in der Villa Flath aus

Bad Segeberg

Manchmal ist es das Detail, das ihn fasziniert. Das kann so etwas vordergründig Belangloses und doch von der Natur so Durchdachtes sein wie …. ein Ast. Dann wieder gibt ein Bild eine ganze Landschaft, ein Lebensgefühl gar, wieder, wie etwa den Lebensraum Ostsee. In solchen Fällen reicht dem sonst meist monochromen Maler eine Farbe nicht – gerade die Ostsee beschäftigt den Niederösterreicher Josef Reinberger immer wieder, stellt ihm Herausforderungen. Bis zum 14. November sind seine Kohlezeichnungen und Pastellarbeiten in der Villa Flath zu sehen.

Bei der Eröffnung ging Bad Segebergs Bürgervorsteher Bruno Haaks vor allem auf jene neun Arbeiten des Künstlers ein, die wirkungsvolle Motive der Segeberger Kreisstadt zeigen. Da ist die Seepromenade zu sehen, da kann man Bäume bewundern, die im Kurpark stehen und die Mauer am jüdischen Friedhof. Zwei Kohlezeichnungen und sieben Pastellarbeiten sind es insgesamt.

In seiner Titelwahl allerdings ist Josef Reinberger, dieser so vielschichtige Maler nicht eben einfallsreich. „Begegnung“ heißt seine Ausstellung und Begegnung Nr. 1 bis irgendwas heißen auch die meisten seiner Werke. Dann aber ist da die Ostsee – ein gewaltiges Sujet. Das Meer bleibt als Titel haften und die Pastellarbeiten bekommen Seriennummern. „Ostsee 0103“ zeigt einfach das Meer als solches: tiefblaue See, nicht minder königsblauer Himmel. Doch die Abendsonne kann dieselbe Szenerie in Feuerrot tauchen – von Reinberger gestaltet zu „Ostsee 0106“.

Als weiteres Bild aus einer Serie von sechs Pastellarbeiten ist „Ostsee 0110“ zu sehen, sein Lebensraum verschwindet im Grau und Weiß des Nebels.

Bei der handwerklichen Genauigkeit und aufgrund ihrer Sparsamkeit umso tiefer wirkenden Bildern ist erstaunlich, dass sich Reinberger als Autodidakt bezeichnet. So ganz ist er es auch nicht; denn der Lehrer für Mathe und Kunst betrieb Privatstudien bei gleich drei Professoren, besuchte Sommerseminare für Bildende Kunst und Druckgrafik.

Nicht jedes der 21 Werke in der Villa Flath zieht einen sofort hinein ins Bild, von anderen mag man sich nur schwer trennen, und insgesamt spricht hier ein Maler zu uns, der es versteht, Empfindungen und das Spiel mit dem Licht auf den Karton zu bannen.

Lothar Kullack


Segeberger Zeitung 9. 10. 2001

Auf der Suche nach der Seele eines Ortes

Josef Reinbergers „Begegnung“ mit Schleswig-Holstein wird in der Villa Flath gezeigt

Bad Segeberg

Meistens bestehen Ausstellungen aus fertigen Bildern, die für das Publikum thematisch zusammengestellt werden. Die Malereien und Grafiken in Kohle und Pastellkreide des Österreichers Josef Reinberger, die bis Mittwoch, 14. November, unter dem Titel „Begegnung“ in der Villa Flath an der Bismarckallee zu sehen sind, entstanden erst wenige Tage vor der Eröffnung – inspiriert von der Kalkbergstadt und dem Ostseestrand.

„Es ist wichtig, dass man als Künstler über den Tellerrand hinausschaut“, erklärt Reinberger, der im niederösterreichischen Fels am Wagram wohnt. Deshalb schickte er an verschiedene Galerien eine Broschüre über sich und seine Arbeiten. Von der Bad Segeberger Kulturabteilung bekam er eine Zusage für eine Ausstellung.

Nach Schleswig-Holstein und an die Ostsee habe es ihn schon immer gezogen. „Einer meiner Vorfahren muss wohl Hilfsmaat bei einem Seeräuber gewesen sein“, meinte Reinberger lächelnd. Im Vorjahr malte er an der Ostsee Aquarelle, im August dieses Jahres arbeitete er einige Tage lang in Bad Segeberg. Nach Skizzen entstanden im September und Anfang Oktober zwei Bilderserien in Kohle und Öl.

Begeistert war er vom Kurpark. „Die Sandwege sind gepflegt und dennoch naturbelassen“, schwärmte Reinberger. Auch die alten Häuser in Bad Segeberg haben es ihm angetan.

Auf seinen Bildern von der Promenade am Großen Segeberger See, aus dem Kurpark oder von der Mauer am jüdischen Friedhof hat Reinberger vor allem versucht, die Stimmung einzufangen. „Nicht das Topografische, sondern die Seele eines Ortes fasziniert mich“, erklärte er. Der Weg, die richtigen Farben zu finden, ist Ziel seiner Arbeit. Für sein Bild vom jüdischen Friedhof wählte er beispielsweise Feuerrot und die Komplementärfarbe Grün, wodurch ein starker Kontrast entstand.

Auffallend sind auch die düsteren Farben der meisten Bilder, die durch schwarze Rahmen und Passepartouts noch im Eindruck verstärkt werden. Am Wetter in Bad Segeberg habe es nicht gelegen, erklärte Reinberger: „Es waren Traumtage – aber ich habe wohl eine grundlegend pessimistische Stimmung.“ Die Rahmen seien deshalb in schwarz gehalten, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu bieten. Wer sich ein Bild in seine Wohnung hängen möchte, könne wohl einen passenden Rahmen wählen.

Beeindruckt war Reinberger auch von den Werken des Bad Segeberger Holzbildhauers Otto Flath. Doch selber will er von dieser Technik Abstand halten. „Es ist eine faszinierende Sache – aber ich will mich nicht verzetteln“, meinte Reinberger. Er habe schon als Kind gern gemalt, auf Wunsch des Vaters habe er jedoch einen „ordentlichen Beruf“ eines Lehrers ergriffen.

Über den Unterricht – er lehrte Mathematik, Geometrisches Zeichnen und Kunst – kam er zur Malerei. „Für den Kunstunterricht braucht man Anschauungsmaterial und deshalb habe ich angefangen, an der Schule eine Galerie aufzubauen“, berichtete Reinberger. Zu seinen bevorzugen Techniken gehören neben Pastell und Kohle auch Öl, Eitempera und Radierungen. Landschaften sind die Hauptmotive von Reinbergers Bildern. Lächelnd erklärte er: „Menschen eher weniger – die brauchen bei mir noch Zeit zum Reifen“.